2050

ZIELHORIZONT

POLITISCHE VORGABEN

Was heißt eigentlich "klimaneutral"?

Die EU und Deutschland streben an, ihre Emissionen bis 2050 auf "Netto-Null" zu senken. 

Auch der Weltklimavertrag sieht vor, dass in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts eine weitgehende Treibhausgasneutralität erreicht wird.

Klimaneutralität bedeutet, dass nur so viele Treibhausgase ausgestoßen werden, wie durch Treibhausgassenken wieder aus der Atmosphäre entzogen werden können. Hierdurch soll sichergestellt werden, dass die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei, wenn möglich auf unter 1,5 Grad Celsius begrenzt wird.

 

Wie soll die Zielerfüllung sichergestellt werden?

Der Weltklimavertrag verpflichtet alle Vertragsparteien, nationale Klimaziele und konkrete Maßnahmen festzulegen. Diese werden im Rahmen der sog. „globalen Bestandsaufnahme“ alle fünf Jahre überprüft und müssen von den Staaten kontinuierlich angepasst – sprich ambitionierter gestaltet – werden.

Die EU hat mit dem Green Deal ihren Fahrplan in Richtung Netto-Null-Emissionen vorgelegt und will ihr 2050-Ziel in einem Europäischen Klimagesetz verankern. Um die Zielerreichung sicherzustellen, soll das 2030-Klimaziel auf mindestens 55 Prozent verschärft werden. Derzeit wird bis 2030 eine Emissionsminderung um 40 Prozent gegenüber 1990 angestrebt. Wird das 2030-Ziel angehoben, so müssen auch die zentralen Klimaschutzinstrumente der EU angepasst werden. Hierzu zählen der EU-Emissionshandel und die

EU-Lastenteilung.

Über ein sog. Governance-System überwacht die EU die Aktivitäten ihrer Mitgliedstaaten in puncto Klimaschutz. Diese müssen regelmäßig ihre Klima- und Energiepläne sowie entsprechende Fortschrittsberichte vorlegen. Zeichnen sich Zielverfehlungen ab, kann die EU den Staaten Handlungsempfehlungen aussprechen oder EU-weite Maßnahmen initiieren, die eine Erreichung der Klimaziele sicherstellen.

Deutschland hat mit dem Klimaschutzplan 2050 seine langfristige Klimastrategie vorgelegt.

Diese wird durch das Klimaschutzprogramm 2030 konkretisiert. Das Programm sieht verschiedene Maßnahmen und sektorbezogene tonnenscharfe Minderungsvorgaben vor. Hierdurch soll sichergestellt werden, dass das Emissionsminderungsziel für 2030 (-55 Prozent gegenüber 1990) erfüllt wird.

Auch Deutschland passt seine Vorgaben in puncto Klimaschutz kontinuierlich an.

Hierbei werden nicht nur die nationalen Fortschritte berücksichtigt, sondern auch die Vorgaben seitens der EU.

Ferner werden die Ergebnisse der globalen Bestandsaufnahme im Auge behalten, die die Klimaschutzfortschritte auf internationaler Ebene widerspiegeln.

 

 

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HERAUSFORDERUNGEN

Umfangreiche Transformation erforderlich

Die klimapolitischen Regularien und Vorhaben sollten sowohl von Unternehmen als auch von Kommunen sorgfältig analysiert und kontinuierlich gemonitort werden.

Aus den Regelwerken können sich neue Pflichten und Anforderungen, ergeben, die erfüllt werden müssen.

Durch die europäische und nationale Bepreisung von CO2-Emissionen kann die Kostenbelastung steigen.

Auch Verschärfungen der EU-Vorgaben soltlen im Blick behalten werden. Diese können dazu führen. dass die nationalen Klimaschutzinstrumente entsprechend nachjustiert werden.

Zugleich sind Unternehmen und Kommunen gefragt, einen aktiven Beitrag zur Erreichung der nationalen Klimaziele zu leisten und ihre Klimastrategie auf das Ziel der Klimaneutralität auszurichten. Die Zielmarke „Netto-Null“ erfordert eine umfangreiche Transformation bestehender Prozesse und Strukturen.

Vor allem der Umgang mit schwer oder unvermeidbaren Emissionen stellt eine große Herausforderung dar. In der Industrie entstehen z. B. bei der Herstellung von Kalk und Zement prozessbedingt Emissionen, wenn Rohstoffe verbrannt und in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt werden. Andere Produktionsprozesse wie die Herstellung von Glas oder Stahl, erfordern von Natur aus einen hohen Energieeinsatz.

Hinzu kommt, dass viele klassische Minderungsmaßnahmen bereits erfolgreich umgesetzt wurden.

Um weitere Minderungspotentiale zu heben, ist ein Mix aus innovativen Schlüsseltechnologien und neuen Maßnahmen erforderlich.

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Fördermaßnahmen werden von der Bundesregierung als zentrales Instrument erachtet, um Anreize für klimafreundliche Aktivitäten und Investitionen in klimafreundliche Technologien und Produkte zu setzen.

Unternehmen, die innovative Technologien, Produkte oder Verfahren entwickeln bzw. erforschen oder Kommunen, die bestimmte energetische Maßnahmen planen, sollten überprüfen, ob sie von den Förderprogrammen der Bundesregierung profitieren können.

KLIMAENGAGEMENT FÖRDERN LASSEN

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INITIATIVEN

Gemeinsames Engagement für Klimaschutz

Es gibt eine Reihe von Initiativen, die darauf ausgerichtet sind, die Transformation zu einer emissionsarmen bzw. klimaneutralen Welt zu unterstützen.

Das CDP (ehemals Carbon Disclorure Project) strebt mit seiner jährlichen Befragung an, die transparente Berichterstattung zu Umweltthemen wie dem Klimawandel zu unterstützen. Mehr als 8.400 Unternehmen und 800 Städte beteiligen sich an der Umfrage. Die Teilnahme ist freiwillig und bietet den Befragten u. a. die Möglichkeit, sich mit anderen Wettbewerbern zu vergleichen und Verbesserungspotentiale für das Klimamanagement abzuleiten.

Die Science-Based-Targets Initiative (SBTI) hat verschiedene Methoden zur Ermittlung sog. wissenschaftsbasierter Klimaziele (Science Based Targets – SBT) erarbeitet, die mit dem 1,5- bzw. Zwei-Grad-Ziel kompatibel sind. Die SBTI prüft und validiert die ermittelten SBT und stellt bei Konformität mit dem Zwei- bzw. 1,5 Grad-Ziel eine zeitlich befristete Zertifizierung aus. Bis dato haben mehr als 400 Unternehmen SBT festgesetzt, die durch die SBTI bestätigt wurden.

Ziel der Stiftung 2° ist es, gemeinsam Lösungen für den unternehmerischen Klimaschutz zu entwickeln und die Politik bei der Gestaltung marktwirtschaftlicher Rahmenbedingungen zu unterstützen. Ähnlich zielt die Initiative We Mean Business darauf ab, Unternehmen für ambitionierte Klimaziele zu motivieren und politische Aktivitäten voranzutreiben, um den Übergang in eine klimaneutrale Wirtschaft zu beschleunigen.

 

In der Initiative RE100 schließen sich mehr als 250 Unternehmen zusammen, die sich zum Ziel von 100 Prozent Erneuerbaren Energien bekennen. Diese fordern alle großen Unternehmen auf, 100 Prozent Erneuerbare Energien anzustreben. C40 ist ein Netzwerk aus mehr als 90 Städten, die sich für die Bekämpfung des Klimawandels einsetzen. Die Initiative möchte den Austausch von Wissen anregen und andere Städte, motivieren Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen.

Durch das Engagement in entsprechenden Initiativen können sich Unternehmen und Städte öffentlich zum Klimaschutz bekennen und eine Vorreiterrolle einnehmen.